Vom 15. bis 30. August waren zwei Produzentinnen der Kaffeekooperative Red Ecolsierra aus Kolumbien zu Gast im Ruhrgebiet. Gemeinsam mit Übersetzerin Stefanie Hoppe haben sie über 20 Veranstaltungen in 13 Fairtrade-Towns im Ruhrgebiet besucht und dabei Bürgermeister*innen, Gleichstellungsbeauftragte und NRW-Umweltminister Oliver Krischer getroffen, Weltläden, Röstereien, Messen, AllerWelt- und Gemeindehäuser, sowie Schulen besucht. Die Kooperative produziert den Kaffee für den im Ruhrgebiet sehr beliebten Städtekaffee „Pottkaffee“.
© Faire Metropole Ruhr/Tamara Kaschek
Während der Produzentinnen-Rundreise wurde oft klar, dass Deutschland sich in Sachen Gleichberechtigung noch einiges von der Kooperative abschauen kann. Nicht umsonst hat die Kooperative als erstes ländliches Unternehmen in Kolumbien den Preis „Equipares Rural“ für Ihre Arbeit zur Gleichstellung von Frauen in landwirtschaftlichen Betrieben, vom kolumbianischen Arbeitsministerium erhalten. Denn die Kommission für Inklusion von Frauen, Jugendlichen, alten Menschen und Menschen mit Behinderung, in der Ilba Camacho als Delegierte Mitglied ist, leistet hier wertvolle Arbeit.
Außerdem gelten in der Kooperative gewisse Grundprinzipien, die zu einer Gleichstellung der Geschlechter beitragen sollen. Beispielsweise ist auch der sogenannte Gender Pay Gap in Kolumbien ein Thema. Bei Red Ecolsierra gilt daher eine Faire Bezahlung ganz unabhängig des Geschlechts. „Bei Stellenausschreibungen fragen wir nicht nach einem Foto und dem Geschlecht der Person, sondern danach, welche Qualifikationen, sie mitbringt“, so Ilba Camacho. Auch eine inklusive Sprache und Frauen in Führungspositionen gehören in der Kooperative zum Alltag. Mit einem eigenen Förderprogramm für Jugendliche, Jungen sowie Mädchen, versucht die Kooperative außerdem mit Stipendien den Nachwuchs für technische und administrative Berufe auf dem Land zu halten.
Durch all diese Maßnahmen hat Red Ecolsierra es geschafft, dass mittlerweile die Versammlung aller Delegierten aus den verschiedenen Dörfern, die bei Red Ecolsierra Mitglied sind, aus 12 Frauen und 25 Männern gebildet wird, während 2010 nur drei Frauen und 2001 noch keine Frau Delegierte war. „Früher waren Berufe in der Verwaltung und Verarbeitung klassische „Männerberufe“, heute arbeiten hier mehr Frauen als Männer“, betont Mildred Niebles.
Neben der Geschlechtergleichstellung war ein wiederkehrendes Thema auf den Veranstaltungen auch der Klimawandel und seine Auswirkungen auf den Kaffeeanbau und die Bäuer*innen. „Wir müssen uns anpassen und zum Beispiel resistentere Pflanzen entwickeln. Allerdings haben wir nicht immer die wissenschaftlichen und technologischen Möglichkeiten und Ressourcen dafür. Außerdem müssen wir mit dem Kaffeeanbau in höhere Regionen gehen, denn in tieferen Gebieten wird das Klima für den Kaffee zu warm“, erklärt Mildred Niebles. Stärkerer und häufigerer Niederschlag löse außerdem Erdtusche aus und zerstöre die Straßen, was den Transport des Kaffees von den Anbaugebieten in die Zentrale in Santa-Marta erheblich erschwere.
Zu Ende der Reise sprachen die Expertinnen der Kooperative bei der großen Nachhaltigkeitsmesse Fair Friends in Dortmund im Rahmen der Podiumsdiskussion „Fairtrade stärkt Frauen!“ gemeinsam mit Wynnie Mbindyo, Referentin von Fairtrade Deutschland und Vera Dwors, Sprecherin des Netzwerk Faire Metropole Ruhr, darüber, wie der Faire Handel zu mehr Geschlechtergerechtigkeit beitragen kann.
"Frauen sind diejenigen, die am meisten unter den multiplen Krisen auf der Welt, wie Covid-19 oder der Klimakrise leiden, sei das in der Produktion, auf Plantagen oder in der Care-Arbeit. Der Faire Handel ist ein Weg, die Situation von Menschen, insbesondere von Frauen zu verbessern", so Vera Dwors, Sprecherin des Netzwerks Faire Metropole Ruhr. Daher bedeute der Faire Handel für sie vor allem Gerechtigkeit, nicht nur für Frauen, sondern auch der Umwelt und den nachfolgenden Generationen gegenüber.
uletzt wurden die beiden Frauen gefragt, was der Faire Handel für sie bedeute. „Für uns bei Red Ecolsierra bedeutet der Faire Handel Transparenz, Gleichberechtigung und Wohlstand“, sagte Mildred Niebles. „Für mich bedeutet der Faire Handel vor allem eins: eine bessere Lebensqualität“. Mit diesem Schlusswort beendete Ilba Camacho anschließend eine eindrucksvolle Rundreise durch das Ruhrgebiet.
Im Rahmen unseres Projektes organisieren wir gemeinsam mit Produzentinnen aus dem Globalen Süden eine Rundreise durch das Ruhrgebiet zum Thema Geschlechtergleichstellung im Fairen Handel. Zwei Kolumbianerinnen aus der Kaffeekooperative Red Ecolsierra, die den Kaffee für den Pottkaffee anbaut, reisen dafür ins Ruhrgebiet und begleiten uns zwischen dem 15. Und 30. August zu verschiedenen Veranstaltungen, um von ihrer Arbeit in der Kooperative zu berichten und über das Thema Geschlechtergleichstellung im Globalen Süden zu informieren.
Ilba Camacho steht für Empowerment und Engagement (© Red Ecolsierra)
Seitdem sie Mitglied in der Kooperative Red Ecolsierra ist, lernt sie nicht nur viel über den ökologischen Kaffeeanbau, sondern übernimmt auch wichtige Aufgaben in der Kooperative. Zum einen leitet sie den Zusammenschluss der Bauern und Bäuerinnen in ihrer Gemeinde San Javier. Als Mitglied der Integrationskommission im Red Ecolsierra, setzt sie sich außerdem für die Partizipation von Frauen, Jugendlichen und älteren Menschen ein, damit diese an den Aktivitäten der Organisation teilnehmen können. „Ich bin stolz, einer Kaffee-Kooperative anzugehören, in der die Frau anerkannt ist und wir angeregt werden, Leitungsfunktionen zu übernehmen. Außerdem werden wir ständig fortgebildet und engagieren uns für die Gleichstellung von Mann und Frau, sei es bei der Arbeit, als auch zu Hause und in unserer Dorfgemeinde,“ sagt Ilba.
Mildred Niebles Jímenez, Leiterin der Qualitätssicherung beim Red Ecolsierra (© Red Ecolsierra)
Mildred Niebles Jímenez hat die Ausbildung zur international anerkannten Q-Graderin durchlaufen (© Red Ecolsierra)
Fairtrade-Kaffee von Red Ecolsierra auf dem Weg nach Deutschland ©Red Ecolsierra (© Red Ecolsierra)
Red Ecolsierra setzt sich außerdem für die Rechte von Frauen und Geschlechtergleichstellung ein. Für ihr Engagement bekam die Kooperative den Preis „Equipares Rural“ vom kolumbianischen Arbeitsministerium verliehen. Damit wurden sie als erste Organisation auf dem Land ausgezeichnet, die sich für Geschlechtergerechtigkeit und die Förderung benachteiligter Gruppen engagiert.
Den Kaffee der Kampagne „Der Pott kocht fair“ gibt es im ganzen Ruhrgebiet zu kaufen, er trägt den jeweiligen Städtenamen als Marke. Der Kaffee wird aus reinen Hochland-Arabica-Sorten bester Qualität hergestellt. Die Bohnen werden von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen der Kooperative Red Ecolsierra in Kolumbien auf biologische Weise angebaut und von der FairHandels-Organisation El Puente nach Deutschland importiert. Seit über 20 Jahren erhalten die Städtekaffees im Ruhrgebiet ihren Bio-Kaffee bereits von Red Ecolsierra. Die Pottkaffee-Kampagne verbindet soziales Engagement und ökologische Aspekte: KleinbäuerInnen sichern damit ihre wirtschaftliche Existenz. - Biologischer Anbau hilft die Umwelt zu erhalten.